Das Erstgespräch war gut, die Offerte ist unterschrieben, alle freuen sich. Dann kommt die Frage nach den Texten, und es wird still. «Die schicke ich Ihnen nächste Woche.» Aus der nächsten Woche wird der nächste Monat, weil im Betrieb gerade Hochsaison ist und der Text für die Leistungsseite eben doch nicht in einer Mittagspause entsteht.
Das ist kein Vorwurf. Es ist der Normalfall, und er ist nachvollziehbar: Sie führen ein Unternehmen, keine Redaktion. Aber genau deshalb lohnt es sich, vorher zu wissen, was gebraucht wird. In unseren Projekten ist die Inhaltsphase der Schritt, der am häufigsten unterschätzt wird – das steht auch so im Artikel über den Ablauf eines Webdesign-Projekts. Die Liste unten hilft, ihn kurz zu halten.
Warum die Inhalte zuerst kommen
Viele stellen sich den Ablauf so vor: Der Webdesigner baut eine schöne Hülle, und am Schluss werden die Texte eingefüllt. In der Praxis funktioniert es umgekehrt. Ob eine Leistung eine eigene Seite bekommt, wie lang die Startseite wird, ob neben einem Abschnitt ein Bild steht oder eine Liste – das ergibt sich aus dem Inhalt. Wer ohne Inhalte gestaltet, gestaltet für Platzhalter. Und wenn die echten Texte dann doppelt so lang oder halb so lang sind, passt das Layout nicht mehr.
Deshalb ist eine Website mit fertigen Inhalten nicht nur schneller online, sondern meist auch besser. Die Gestaltung kann auf das reagieren, was tatsächlich gesagt werden soll.
Kurz gesagt: Die Inhalte sind nicht das, was am Schluss in die Website kommt. Sie sind das, woraus die Website gebaut wird.
Die Checkliste
Nicht alles davon braucht jedes Projekt. Gehen Sie die Punkte durch und streichen Sie, was für Ihr Unternehmen nicht zutrifft. Was übrig bleibt, ist Ihre Liste.
1. Texte
- Startseite: Was Sie machen, für wen, wo. Zwei, drei Sätze reichen für den Anfang – der Rest wird oft im Gespräch geschärft.
- Leistungen: pro Leistung ein kurzer Abschnitt. Was genau dazugehört, für wen sie gedacht ist, wie es abläuft.
- Über uns: wer hinter dem Betrieb steht, seit wann, wo. Was dort hineingehört, steht im Artikel über die Über-uns-Seite.
- Häufige Fragen: die fünf Fragen, die Ihnen am Telefon immer wieder gestellt werden – mit Ihren Antworten.
Perfekt formuliert muss nichts davon sein. Eine Stichwortliste, ein Sprachmemo oder die Texte der alten Website mit Ihren Korrekturen sind ein brauchbarer Ausgangspunkt. Wenn Sie selbst schreiben möchten, finden Sie im Artikel Website-Texte selbst schreiben konkrete Regeln mit Vorher-Nachher-Beispielen. Wenn nicht: Das Texten lässt sich auch abgeben. Dann brauchen wir statt fertiger Texte ein ausführliches Gespräch.
2. Bilder
- Team und Inhaber: mindestens ein gutes Porträt, besser auch ein Bild bei der Arbeit.
- Räume, Werkstatt, Fahrzeuge: alles, was zeigt, dass es Sie wirklich gibt.
- Arbeitsbeispiele: fertige Projekte, Vorher-Nachher-Bilder, Produkte.
Eigene Fotos wirken fast immer glaubwürdiger als Stockbilder; warum, steht im Artikel über eigene Bilder und Stockfotos. Schicken Sie die Originaldateien, nicht Bilder aus WhatsApp oder Screenshots von Instagram – dort werden Fotos stark verkleinert. Als Faustregel gilt: Fotos sollten an der langen Seite mindestens 2000 Pixel haben. Aktuelle Smartphones liefern das problemlos, solange man die Datei direkt aus der Fotogalerie weitergibt. Für grosse Mengen eignet sich ein Freigabelink (zum Beispiel über SwissTransfer, Google Drive oder Dropbox) besser als E-Mail-Anhänge.
3. Logo
Hier lohnt sich der Blick in alte Ordner. Gesucht ist eine Vektordatei: SVG, AI, EPS oder ein PDF, das direkt aus einem Grafikprogramm stammt. Eine Vektordatei lässt sich beliebig vergrössern, ohne unscharf zu werden – vom kleinen Symbol im Browser-Tab bis zum Schild über der Werkstatt. Ein JPG aus der E-Mail-Signatur ist dafür meist zu klein.
Wer das Logo damals gestaltet hat, hat in der Regel auch die Vektordatei. Oft hilft ein Anruf bei der Druckerei, die zuletzt Ihre Visitenkarten gedruckt hat. Wenn nichts mehr auffindbar ist, lässt sich ein Logo nachzeichnen – das ist aber ein eigener Arbeitsschritt, den man früh einplanen sollte.
4. Fakten und Daten
- Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse – genau so, wie sie überall erscheinen sollen
- Öffnungszeiten, inklusive Feiertags- und Ferienregelung
- Einzugsgebiet: in welchen Orten oder Regionen Sie arbeiten
- Links zu Ihren Profilen (Google, Instagram, LinkedIn), falls vorhanden
- Zertifikate, Mitgliedschaften, Auszeichnungen, die für Kunden relevant sind
Klingt banal, aber gerade hier entstehen Fehler, die später niemand bemerkt: eine alte Telefonnummer, ein Ortsname in zwei Schreibweisen, Öffnungszeiten, die auf der Website anders lauten als bei Google.
5. Referenzen und Kundenstimmen
Zufriedene Kunden sind das stärkste Argument auf einer Website – aber nur, wenn sie echt sind. Sammeln Sie Rückmeldungen, die Sie bereits per E-Mail oder Karte erhalten haben, und fragen Sie die Absender, ob Sie diese mit Namen und Ort veröffentlichen dürfen. Für Referenzprojekte brauchen wir pro Projekt ein, zwei Sätze und ein Bild.
6. Rechtliche Angaben
Für Impressum und Datenschutzerklärung braucht es Ihre genauen Firmendaten: die Firmenbezeichnung, wie sie im Handelsregister steht (falls eingetragen), die Rechtsform, die verantwortliche Person und gegebenenfalls die UID-Nummer. Ausserdem eine Liste der Dienste, die Ihre Website nutzen soll – etwa ein Buchungstool, eine eingebettete Karte oder ein Newsletter-Programm. Davon hängt ab, was in der Datenschutzerklärung stehen muss. Was das Schweizer Datenschutzgesetz dabei grundsätzlich verlangt, beschreibt der Artikel über Datenschutz auf der Website. Für die verbindliche Beurteilung Ihres Einzelfalls ist eine Fachperson zuständig.
7. Zugänge
- Wer hat die Domain registriert, und auf wen läuft sie?
- Wo ist die bestehende Website gehostet, und wer hat die Zugangsdaten?
- Wer verwaltet die E-Mail-Adressen?
Diese Fragen lassen sich nicht immer sofort beantworten, besonders wenn die alte Website von jemandem gebaut wurde, der nicht mehr erreichbar ist. Umso besser, wenn man das zu Beginn klärt und nicht am Tag vor dem Launch. Zugangsdaten bitte nicht per E-Mail schicken, sondern telefonisch oder über einen sicheren Weg, den wir gemeinsam festlegen.
Wer liefert was bis wann
Eine Checkliste allein beschleunigt noch nichts. Was hilft, ist eine einfache Tabelle mit drei Spalten: was, wer, bis wann. Wer schreibt den Leistungstext? Wer fotografiert das Team, und an welchem Tag? Wer sucht das Logo? Wenn in der Spalte «wer» zweimal «alle» steht, macht es am Ende niemand.
Bewährt hat sich, die Inhalte in zwei Gruppen zu teilen:
- Was der Webdesigner zum Starten braucht: Logo, Texte der Startseite und der Leistungen, ein paar Bilder. Damit lässt sich die Gestaltung beginnen.
- Was während der Bauphase nachkommen darf: Kundenstimmen, weitere Referenzen, Feinschliff an Texten. Hauptsache, es kommt vor der Freigabe.
So wartet niemand auf das letzte Puzzleteil, bevor überhaupt etwas passiert.
Warum «machen wir später» teuer wird
Fehlt ein Inhalt, bleiben zwei Möglichkeiten. Entweder das Projekt wartet, oder es wird mit Platzhaltern weitergebaut. Beides kostet. Wer wartet, verliert Zeit – und nach einer Pause von mehreren Wochen braucht es auf beiden Seiten wieder Anlauf, bis man im Thema ist. Wer mit Platzhaltern baut, baut manches zweimal: Wenn der echte Text anders aufgebaut ist als angenommen, muss das Layout angepasst werden.
Und manches, was «später» kommen sollte, kommt nie. Die Seite geht mit dem Satz «Text folgt» online, oder die Referenzen bleiben leer. Das wirkt auf Besucher schlechter, als wenn der Abschnitt gar nicht da wäre.
Merksatz: Lieber eine kleinere Website mit vollständigen Inhalten zum Start als eine grosse mit leeren Stellen. Ausbauen lässt sich jederzeit.
Fangen Sie mit der Liste an
Sie müssen nicht alles auf einmal liefern, und Sie müssen es nicht perfekt liefern. Aber wer vor dem Start weiss, was gebraucht wird, und die Aufgaben verteilt, hat den grössten Teil der Verzögerungen schon vermieden. Nehmen Sie die sieben Punkte, streichen Sie, was nicht passt, und schreiben Sie hinter jeden verbleibenden einen Namen und ein Datum.
Wenn Sie beim Durchgehen merken, dass bei Ihnen mehr fehlt als vorhanden ist: Das ist kein Grund, das Projekt aufzuschieben. Es ist eine Information, mit der sich planen lässt – etwa, indem man das Texten oder ein Fotoshooting gleich mit einplant.
Sie planen eine neue Website und wissen nicht, wo Sie bei den Inhalten anfangen sollen? Im kostenlosen Erstgespräch gehen wir die Liste gemeinsam durch und klären, was Sie liefern und was wir übernehmen. Jetzt Kontakt aufnehmen →