Webshop

Lohnt sich ein Onlineshop
für mein Kleinunternehmen?

Die ehrliche Antwort ist: manchmal ja, oft nein – und meistens gibt es eine einfachere Lösung, die besser passt. Was Sie vor der Entscheidung wissen sollten.

Ich bekomme diese Anfrage regelmässig: "Ich würde gern einen Onlineshop – wie viel kostet das?" Manchmal kommt sie von einem Handwerksbetrieb, der drei Produkte verkaufen möchte. Manchmal von einer Therapeutin, die ihre Terminbuchung vereinfachen will. Manchmal von einem Detailhändler, der merkt, dass die Konkurrenz online präsent ist.

Die Frage ist berechtigt. Die Antwort ist aber selten ein simples Ja oder Nein – sie hängt davon ab, was genau verkauft werden soll, wie viele Bestellungen realistisch sind, und welchen Aufwand man bereit ist, dauerhaft zu betreiben. Dieser Artikel hilft, die Entscheidung fundiert zu treffen.

Onlineshop auf dem Laptop – Webshop für KMU

Was ein Onlineshop wirklich kostet

Der häufigste Irrtum: Ein Onlineshop ist eine einmalige Investition. In Wahrheit ist er ein laufendes Projekt. Die Kosten teilen sich in drei Phasen:

Einmalig beim Aufbau: Für einen soliden WooCommerce-Shop (das meistgenutzte System in der Schweiz, basierend auf WordPress) rechne ich mit CHF 3'000 bis 8'000 – je nach Anzahl Produkte, gewünschten Zahlungsarten, Versandoptionen und individuellem Design. Günstigere Baukastenlösungen wie Shopify gibt es ab CHF 30 pro Monat, aber sie haben andere Einschränkungen (weniger Kontrolle, laufende Abokosten, Abhängigkeit vom Anbieter).

Laufend pro Monat: Hosting, Wartung, Sicherheitsupdates, Zahlungsanbieter-Gebühren (Stripe, PayPal oder TWINT nehmen 1,4–2,9 % pro Transaktion), allfällige Plugin-Abos. Realistisch: CHF 50–150 pro Monat, abhängig vom Umfang.

Laufend an Zeit: Produktpflege, Bestellungsabwicklung, Retouren, Kundenkommunikation, Lagerverwaltung. Das wird regelmässig unterschätzt. Ein Shop mit 20 Produkten und 5 Bestellungen pro Woche bedeutet realistisch 2–4 Stunden Aufwand pro Woche – dauerhaft.

Rechenbeispiel: Wer mit einem Shop CHF 500 Umsatz pro Monat erzielt, aber CHF 120 Fixkosten und 10 Stunden Zeitaufwand hat, macht pro Stunde weniger als CHF 40 – vor Steuern, vor Wareneinsatz, vor Verpackung und Versand. Das lohnt sich nur, wenn der Umsatz deutlich wächst.

Wann ein Onlineshop wirklich Sinn macht

Es gibt klare Szenarien, in denen ein Shop die richtige Entscheidung ist:

  • Sie verkaufen physische Produkte, die standardisiert und lagerbar sind. Kleidung, Lebensmittelspezialitäten, Handgemachtes, Geschenkartikel – Produkte, die man ohne Beratung kaufen kann und einfach versenden kann.
  • Sie haben bereits eine bestehende Kundenbasis, die online kaufen würde. Ein Shop ohne Traffic ist wertlos. Wenn Sie heute schon Stammkunden haben, die aktiv fragen "Kann ich das auch online bestellen?" – das ist ein gutes Zeichen.
  • Der durchschnittliche Bestellwert ist hoch genug. Bei einem Durchschnittswert von CHF 80 pro Bestellung amortisiert sich der Aufwand viel schneller als bei CHF 15.
  • Sie sind bereit, dauerhaft Zeit zu investieren. Ein Shop ist kein Selbstläufer. Produktfotos, Beschreibungen, Lagerstand aktuell halten, Bewertungen beantworten – das gehört dazu.

Wann ein Onlineshop die falsche Lösung ist

Mindestens genauso wichtig ist die andere Seite der Medaille. Ein Shop ist oft nicht die beste Lösung, wenn:

  • Sie primär Dienstleistungen anbieten. Ein Gärtner, eine Physiotherapeutin oder ein Sanitärinstallateur braucht keinen Shop – sie brauchen ein überzeugendes Kontaktformular und eine klare Leistungsübersicht.
  • Die Produkte erklärungsbedürftig sind. Was individuelle Beratung erfordert, lässt sich schlecht automatisiert verkaufen. Kunden werden trotzdem anrufen – und der Shop hat sich nicht gelohnt.
  • Das Sortiment sehr klein ist. Wer drei oder vier Produkte hat, braucht dafür keinen vollständigen Shop. Eine schlichte Seite mit Produktbeschreibung, Preis und Bestellformular per E-Mail reicht oft völlig aus – und ist in einem Tag aufgebaut.
  • Lokaler Verkauf die Hauptstrategie bleibt. Wer hauptsächlich im Laden oder am Marktstand verkauft, investiert die Zeit besser in lokales SEO und ein gepflegtes Google Business Profile als in einen Shop.

Die häufig übersehene Mitte: Smarte Alternativen

Zwischen "gar kein Online-Verkauf" und "vollständiger Webshop" gibt es einen grossen Spielraum, den viele nicht kennen:

Einzelnes Produkt oder Dienstleistung mit Stripe-Link: Stripe und ähnliche Dienste erlauben es, einen Zahlungslink zu erstellen – ohne Shop, ohne CMS, ohne Plugin. Der Link führt direkt zur sicheren Bezahlseite. Ideal für Gutscheine, Einzelartikel oder Beratungspakete.

Bestellformular mit E-Mail-Bestätigung: Für Betriebe mit kleinem Sortiment und hohem Beratungsbedarf. Kunde füllt Formular aus, Sie bestätigen manuell und stellen Rechnung. Kein Lager, keine Zahlungsabwicklung automatisch – aber auch kein Aufwand für Retouren und Supporttickets.

Reservationssystem statt Shop: Wer Dienstleistungen verkauft (Massagen, Haare schneiden, Beratungen), braucht kein Shop-System, sondern ein Buchungstool. Tools wie Calendly oder SimplyBook.me lassen sich einfach in eine bestehende Website einbetten – ohne grossen technischen Aufwand.

Marktplätze nutzen: Für physische Produkte kann es sinnvoller sein, zunächst auf bestehenden Plattformen (Etsy für Handgemachtes, Ricardo oder anibis für Gebrauchtware, Galaxus für Schweizer Anbieter) zu starten, bevor man in einen eigenen Shop investiert. Die Marktplätze bringen bereits Traffic mit – der eigene Shop muss diesen Traffic erst aufbauen.

Die entscheidende Frage vor jeder Shop-Entscheidung

Bevor Sie in einen Onlineshop investieren, empfehle ich eine ehrliche Antwort auf diese Frage: Wie viele Bestellungen pro Monat brauche ich, damit sich der Aufwand lohnt?

Rechnen Sie rückwärts: Aufbaukosten amortisiert über zwei Jahre + monatliche Fixkosten + Ihren Zeitaufwand zu einem realistischen Stundensatz. Dann teilen Sie das durch den durchschnittlichen Deckungsbeitrag pro Bestellung. Das ergibt die Mindest-Bestellmenge pro Monat, die nötig wäre, um den Shop rentabel zu betreiben.

Wenn diese Zahl realistisch erreichbar ist – perfekt, ein Shop macht Sinn. Wenn Sie zweifeln, ob Sie diese Bestellmenge je erreichen, lohnt sich ein günstigerer Einstieg zuerst.

Mein Fazit nach 25 Jahren Praxis

Ich baue Onlineshops – aber ich rate auch davon ab, wenn es nicht passt. Das ist keine Bescheidenheit, sondern Erfahrung. Ich habe genug Shops gebaut gesehen, die nach zwei Jahren immer noch 10 Bestellungen pro Monat hatten und den Inhabern mehr Aufwand als Ertrag brachten.

Ein guter Webauftritt mit klarer Leistungsübersicht, überzeugenden Referenzen und einem funktionierenden Kontaktformular bringt für die meisten kleinen Unternehmen in der Schweiz mehr als ein mittelmässig gepflegter Shop. Erst wenn das Fundament stimmt, lohnt sich der nächste Schritt.

Unsicher, ob ein Shop für Ihr Unternehmen passt? Im kostenlosen Erstgespräch schaue ich mir Ihre Situation an und sage ehrlich, welche Lösung sinnvoll ist – auch wenn das bedeutet, dass wir keinen Shop bauen. Jetzt Kontakt aufnehmen →

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