Social Media

Brauche ich noch eine Website,
wenn ich auf Instagram bin?

Eine Frage, die wir immer häufiger hören – besonders von jüngeren Betrieben. Die kurze Antwort: Ja. Die längere Antwort erklärt, warum Instagram und Website zwei völlig verschiedene Aufgaben erfüllen.

"Ich poste regelmässig auf Instagram, meine Kunden finden mich dort – wozu brauche ich noch eine Website?" Diese Frage kommt in Erstgesprächen immer öfter. Und sie ist berechtigt: Ein gut gepflegter Instagram-Account kann tatsächlich Kunden bringen, gerade in visuellen Branchen wie Gastronomie, Kosmetik, Handwerk oder Fotografie.

Trotzdem lautet die ehrliche Antwort: Instagram ersetzt keine Website. Nicht weil Social Media schlecht wäre, sondern weil beide grundlegend verschiedene Aufgaben haben. Wer nur auf Instagram setzt, baut sein Geschäft auf gemietetem Boden.

Smartphone mit Instagram-Login – Website oder Instagram für KMU

1. Auf Instagram gehört Ihnen nichts

Das ist der wichtigste Punkt. Ihr Instagram-Account gehört Meta, nicht Ihnen. Sie mieten Aufmerksamkeit auf einer fremden Plattform – zu Bedingungen, die sich jederzeit ändern können.

Was das konkret bedeutet:

  • Accounts können gesperrt werden. Manchmal irrtümlich, durch einen fehlerhaften Algorithmus. Es gibt keinen Support-Anspruch und keinen verlässlichen Weg zurück. Jahre an Aufbauarbeit können über Nacht weg sein.
  • Die Reichweite bestimmt der Algorithmus. Ein Beitrag, der vor zwei Jahren 2'000 Menschen erreichte, erreicht heute vielleicht 200 – ohne dass Sie etwas verändert haben.
  • Die Plattform kann sich ändern oder verschwinden. Fragen Sie jemanden, der sein Geschäft auf Facebook-Reichweite aufgebaut hat. Oder auf Google+, Vine, Clubhouse.

Eine eigene Website unter Ihrer eigenen Domain gehört Ihnen. Kein Algorithmus entscheidet, wer sie sieht. Niemand kann sie sperren.

2. Auf Google werden Sie über Instagram kaum gefunden

Wenn jemand "Coiffeur Lenzburg" oder "Schreiner Aargau" googelt, erscheinen Websites und Google-Business-Einträge – nicht Instagram-Profile. Instagram-Inhalte sind für Google weitgehend unsichtbar: Bildunterschriften werden schlecht indexiert, einzelne Beiträge tauchen praktisch nie in relevanten Suchergebnissen auf.

Das ist entscheidend, weil sich Suchverhalten und Social-Media-Verhalten grundlegend unterscheiden:

  • Auf Instagram stossen Menschen zufällig auf Sie, während sie eigentlich etwas anderes tun. Sie sind unterhalten, aber nicht kaufbereit.
  • Auf Google suchen Menschen aktiv nach einer Lösung. Sie haben ein konkretes Problem und wollen es jetzt lösen. Das sind die wertvollsten Anfragen überhaupt.

Ohne Website sind Sie in genau dem Moment unsichtbar, in dem jemand bereit ist, Sie zu beauftragen.

Aus der Praxis: Eine Kosmetikerin mit 3'000 Instagram-Followern erzählte mir, dass die meisten Neukundinnen sagen: "Ich hab Sie gegoogelt." Ihr Instagram brachte Sichtbarkeit – aber der Anruf kam erst, nachdem sie eine Website hatte, auf der Preise und Öffnungszeiten standen.

3. Instagram beantwortet die wichtigen Fragen nicht

Ein Instagram-Profil zeigt Momentaufnahmen. Was potenzielle Kunden aber wissen wollen, bevor sie anrufen, steht dort selten:

  • Was genau bieten Sie an – und was nicht?
  • Was kostet das ungefähr?
  • Wo sind Sie? Wie sind die Öffnungszeiten?
  • Arbeiten Sie auch in meiner Region?
  • Wer steckt hinter dem Betrieb?

Auf Instagram müsste man sich diese Informationen aus 40 Beiträgen zusammensuchen – oder eine Direktnachricht schreiben und warten. Beides sind Hürden, an denen Interessenten abspringen. Eine Website beantwortet all das in dreissig Sekunden.

4. Vertrauen entsteht anders

Instagram-Profile sind schnell erstellt und wirken dadurch weniger verbindlich. Eine eigene Domain, ein vollständiges Impressum, eine Datenschutzerklärung, Referenzen und echte Fotos – das signalisiert: Hier steht ein Unternehmen dahinter, das langfristig arbeitet.

Bei grösseren Aufträgen ist das entscheidend. Wer einen Auftrag über mehrere tausend Franken vergibt, prüft vorher. Und findet dabei entweder eine professionelle Website – oder eben nicht.

Wann Instagram tatsächlich reicht

Um fair zu bleiben: Es gibt Situationen, in denen Instagram als alleinige Präsenz vorübergehend genügt.

  • In der Anfangsphase. Wenn Sie gerade erst starten und noch testen, ob das Geschäftsmodell trägt, ist Instagram ein schneller, kostenloser Weg, erste Kunden zu finden.
  • Bei rein visuellen Produkten mit Impulskauf. Handgemachter Schmuck, Kuchen, Kunst – hier funktioniert der Weg vom Bild zur Bestellung direkt über Direktnachricht recht gut.
  • Wenn Sie ohnehin ausgelastet sind. Wer keine neuen Kunden braucht, braucht auch keine zusätzliche Sichtbarkeit.

Aber sobald Sie planbar wachsen wollen, grössere Aufträge anstreben oder unabhängig von einer Plattform sein möchten, wird die eigene Website zur Grundlage.

Die beste Lösung: beides, mit klaren Rollen

Website und Instagram konkurrieren nicht – sie ergänzen sich, wenn jeder Kanal seine Aufgabe hat:

  • Instagram ist die Bühne. Persönlichkeit zeigen, Arbeitsalltag dokumentieren, im Gedächtnis bleiben, Reichweite aufbauen. Hier entsteht Sympathie.
  • Die Website ist das Fundament. Vollständige Informationen, gefunden werden über Google, Vertrauen aufbauen, Anfragen entgegennehmen. Hier entsteht der Auftrag.

Praktisch heisst das: Der Link in Ihrer Instagram-Bio führt auf Ihre Website. Ihre Website zeigt Ihren Instagram-Feed oder verlinkt darauf. Instagram bringt Aufmerksamkeit, die Website verwandelt sie in Anfragen.

Und der wichtigste Nebeneffekt: Wenn Instagram morgen den Algorithmus ändert oder Ihr Account gesperrt wird, verlieren Sie Reichweite – aber nicht Ihr Geschäft.

Sie haben Instagram, aber noch keine Website – oder eine, die nicht mehr passt? Wir besprechen gern, was für Ihren Betrieb sinnvoll ist. Jetzt Kontakt aufnehmen →

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