Webdesign

Welche Seiten
braucht meine Website?

Fast jeder Inhaber, der uns zum ersten Mal schreibt, hat schon eine Liste im Kopf: Startseite, Leistungen, Über uns, vielleicht ein Blog, vielleicht noch etwas. Die Frage ist selten, ob zu wenig Seiten fehlen – sondern ob zu viele geplant sind, die am Ende niemand pflegt.

Bei fast jedem Erstgespräch kommt irgendwann dieselbe Frage: «Was sollen wir denn alles reinnehmen?» Und fast immer folgt darauf eine Liste, die deutlich länger ist als das, was die Website am Ende wirklich braucht. Team, Geschichte, Partner, News, Referenzen, FAQ, Karriere – jede einzelne Seite klingt für sich sinnvoll. Zusammen ergeben sie oft eine Website, die niemand mehr aktuell hält, weil zwölf Unterseiten eben zwölfmal so viel Pflege brauchen wie fünf.

Die gute Nachricht: Die meisten KMU-Websites, die wirklich funktionieren, kommen mit erstaunlich wenig Struktur aus. Nicht weil das Angebot dahinter klein wäre, sondern weil eine schlanke Seite leichter zu pflegen ist, leichter zu finden und für Besucher leichter zu verstehen.

Hand skizziert Wireframes mit Kugelschreiber auf Papier

Die fünf Pflichtseiten

Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz reichen diese fünf Seiten, um vollständig zu wirken – nicht als Minimalversion, sondern als fertiges Konzept:

  • Startseite. Beantwortet in den ersten Sekunden: Wer sind Sie, was machen Sie, für wen, und wo. Sie ist die meistbesuchte Seite und trägt die grösste Verantwortung.
  • Leistungen. Was Sie konkret anbieten, in der Sprache Ihrer Kunden – nicht in Fachbegriffen, die intern gebräuchlich sind, aussen aber niemand sucht. Bei einem überschaubaren Angebot genügt eine einzige Seite mit klaren Abschnitten.
  • Über uns. Nach der Startseite meist die zweitmeistbesuchte Seite. Hier entscheidet sich, ob aus Interesse Vertrauen wird.
  • Referenzen oder Projekte. Der Beweis, dass Sie tun, was Sie versprechen. Wenige echte Beispiele wirken glaubwürdiger als eine lange, austauschbare Liste.
  • Kontakt. Adresse, Telefonnummer, Formular, Anfahrt – alles an einem Ort, ohne dass man danach suchen muss.

Das ist bewusst kurz gehalten. Jede dieser fünf Seiten hat einen klaren Zweck, und jede lässt sich in vertretbarem Aufwand aktuell halten. Eine Website mit fünf gepflegten Seiten schlägt eine mit fünfzehn halbfertigen in jeder Hinsicht – bei Besuchern genauso wie bei Google.

Kurz gesagt: Eine Seite, die niemand pflegt, schadet mehr, als sie nützt. Lieber fünf Seiten, die stimmen, als fünfzehn, bei denen die Hälfte seit zwei Jahren denselben Stand hat.

Wann sich eine Landingpage pro Leistung lohnt

Sobald ein Unternehmen mehrere klar unterscheidbare Leistungen anbietet und Kunden gezielt nach einer davon suchen, wird die eine Leistungsseite irgendwann zu eng. Ein Beispiel aus der eigenen Praxis: Neben den allgemeinen Webdesign-Leistungen gibt es bei uns die Seite Webdesign Aargau – speziell für die Suchanfrage, die regional sucht. Wer «Webdesign Aargau» eingibt, landet direkt auf einer Seite, die genau darauf eingeht, statt sich durch eine allgemeine Startseite zu graben.

Das Prinzip lässt sich übertragen: Eine Schreinerei mit Innenausbau, Möbelbau und Reparaturen kann für jeden Bereich eine eigene Seite anlegen, wenn Kunden tatsächlich einzeln danach suchen. Eine eigene Landingpage lohnt sich, wenn drei Dinge zusammenkommen: Es gibt ein eigenständiges Suchvolumen für dieses Thema, die Leistung ist umfangreich genug für einen eigenen Text, und jemand ist bereit, diese Seite auch tatsächlich zu pflegen. Fehlt einer der drei Punkte, bleibt es besser bei einem Abschnitt auf der gemeinsamen Leistungsseite.

Navigation: maximal sieben Punkte

Für das Hauptmenü gilt eine einfache Faustregel: sieben Punkte, besser weniger. Nicht, weil eine achte Kachel technisch nicht mehr hineinpassen würde, sondern weil Besucher ab einer gewissen Menge nicht mehr abwägen, sondern gar nichts mehr anklicken. Ein Menü mit vier bis sechs klaren Begriffen wird tatsächlich benutzt. Ein Menü mit zwölf wird überflogen und ignoriert.

Was nicht ins Hauptmenü gehört, kann trotzdem existieren – als Verlinkung im Fliesstext, im Footer oder als weiterführender Link am Ende eines Blogartikels. Die Navigation ist kein Inhaltsverzeichnis der ganzen Website, sondern eine Auswahl der Wege, die die meisten Besucher tatsächlich gehen wollen.

Unterseiten oder eine lange Startseite?

Bei sehr kleinen Angeboten stellt sich oft die Frage, ob es überhaupt separate Unterseiten braucht oder ob eine einzige, längere Startseite mit Sprungmarken reicht. Beide Varianten haben ihren Platz. Eine einseitige Website funktioniert gut, wenn das Angebot wirklich schmal ist und Besucher in einem Rutsch alles Wichtige erfassen sollen – etwa bei einem einzelnen Produkt oder einer einzelnen Dienstleistung.

Sobald mehrere Themen um Aufmerksamkeit konkurrieren, gewinnt die Struktur mit eigenen Unterseiten. Sie hat einen Vorteil, der sich erst über die Zeit auszahlt: Jede Unterseite kann für ihr eigenes Thema gefunden werden. Eine lange Startseite mit sieben Abschnitten kann bei Google im besten Fall für ein Thema gut ranken. Sieben eigenständige Seiten können für sieben verschiedene Suchanfragen gefunden werden – vorausgesetzt, jede davon hat genug eigenen Inhalt, um für sich zu stehen.

Merksatz: Eine Seite pro Thema ist kein Selbstzweck, sondern der Grund, warum manche KMU-Websites für mehrere Suchbegriffe gefunden werden und andere nur für einen.

Bevor die Struktur steht: die Inhalte klären

Wie viele Seiten am Ende sinnvoll sind, hängt stark davon ab, wie viel echter Inhalt für jede davon vorhanden ist. Eine Seitenstruktur auf dem Papier ist schnell entworfen – die eigentliche Arbeit beginnt danach, bei Texten, Bildern und den Angaben, die jede Seite füllen. Wer sich vorab überlegt, was wirklich vorhanden ist und was noch erarbeitet werden muss, spart sich später halbleere Seiten, die man lieber weggelassen hätte. Wie ein Webdesign-Projekt von der ersten Idee bis zur fertigen Struktur abläuft, beschreiben wir im Artikel über den Ablauf eines Webdesign-Projekts.

Am Ende zählt bei der Seitenstruktur dasselbe Prinzip wie beim gesamten Auftritt: Was eine gute Website ausmacht, ist selten die Anzahl der Seiten, sondern ob jede einzelne davon einen klaren Zweck erfüllt und aktuell bleibt.

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